Wanderfahrt 2018

8 Schleusen, ein Unwetter und 80 km Romantik auf dem Neckar

Planung und Anfahrt

Eine Wanderfahrt auf dem Neckar zu machen, war schon lange bei den Freizeitruderern der Gruppe Herzog in der Diskussion. Schließlich legten wir den Termin der Wanderfahrt auf den 24. – 26.05 2018 fest. Natürlich bedarf es für ein solches Unternehmen der gründlichen Vorbereitung, zumal sich aus der Gruppe Herzog 11 Ruderer (zwei davon weiblichen Geschlechts) dazu verbindlich angemeldet hatten. Bei der Planung kamen die Ortskenntnisse eines Teilnehmers, der dort 18 Jahre seines Lebens verbracht und das Rudern im HRK Heidelberg gelernt hatte, gerade recht.

Mitte April sind dann Norbert Herzog, Klaus Westenberger und Frank Hofius mit dem Vereinsbus losgefahren um Anlegeplätze am Neckar für die drei geplanten Etappen auszukundschaften. Den Start hatten wir bei Flusskilometer 100, Ruderverein Bad Wimpfen, festgelegt. Die zweite Etappe bis Neckargerach, Flusskilometer 70 und von dort die dritte Etappe bis Heidelberg Flusskilometer 24.

Unter Nutzung des vereinseigenen Jugendherbergsausweises hatte Norbert Herzog bereits vorher unsere Unterbringung in der Jugendherberge „Mutschlers Mühle“ in Neckarelz festgemacht.

Am 24.05. sind wir dann nach Bad Wimpfen aufgebrochen; unsere Stimmung war auf dem Tiefpunkt, denn kurz vor der A6-Ausfahrt Bad Rappenau setze ein Starkregen mit Gewitter die Autobahn unter Wasser; man konnte sprichwörtlich die Hand vor den Augen nicht mehr sehen. Wir sind dann nach Bad Wimpfen von der A6 abgefahren und direkt zum Bootshaus des Rudervereins Bad Wimpfen an den Neckar gefahren.

Erste Etappe

Wie gesagt, die Stimmung war immer noch mies aber der nachlassende Regen hat uns nicht davon abgehalten, die Boote (Vierer mit und Vierer ohne) abzuladen und klar zu machen. Der Wettergott hatte alsbald ein Einsehen mit uns, so dass wir einsetzen  und bei aufklarendem Himmel mit halbstündiger Verspätung die ersten Ruderschläge auf dem Neckar durchziehen konnten. Bei strahlendem Sonnenschein und nach 6 km kamen wir an der Schleuse Gundelsheim an. Hier mussten wir sage und schreibe 1 Stunde warten bis wir in die einzige Schleusenkammer einfahren konnten. Die Schleusen am Neckar sind kleiner als auf dem Main dimensioniert und bei fast allen Schleusen ist nur eine Kammer in Betrieb. Die zweiten Kammern sind meistens in der Sanierungsphase.
Wir hatten uns abgesprochen, dass die erste Etappe nur bis Neckarelz gehen sollte; bis Neckargerach wäre es uns zu spät in den Nachmittag hineingegangen. Gleichwohl wurde unsere Stimmung durch die atemberaubende Landschaft aufgeheitert, die mit jedem Ruderschlag an uns vorbeizog: In Gundelsheim die Burg Horneck des deutschen Ritterordens, dann die Burg Guttenberg mit der berühmten Falknerei, vorbei an Hassmersheim, dem größten Schifferdorf Deutschlands mit 1000-jähriger Tradition. In die Schleuse Neckarelz (Staustufe Neckarzimmern mit Hubhöhe 5,60 m) konnten wir nach telefonischer Anmeldung ohne Verzögerung einfahren und uns talwärts schleusen lassen. Bei Flusskilometer 82 legten wir beim Ruder-Club „Neptun“ Neckarelz an und legten dort auf dem Vereinsgelände die Boote ab.

Norbert und Johannes (der aus dem Taunus) holten uns mit Vereinsbus und Privat-PKW ab und wir belegten unsere Zimmer in „Mutschlers Mühle“. Sie liegt direkt an der Elz, ist heute Jugendherberge, wunderschön hergerichtet und mit einem Wasserfall, noch aus der Mühlenzeit, in ein idyllisches Szenario eingebettet. Nach dem Duschen ging es in das „Mosbacher Brauhaus“. Mit Bier und einem rustikalen Abendessen pflegten wir die Geselligkeit und ließen den Tag noch einmal Revue passieren.   

Wir waren uns alle einig, dass die Neckarlandschaft eine ganz andere ist, als die der Mosel (auf der wir ja auch schon zwei Wanderfahrten unternommen hatten). Am Neckar gehen die Wälder bis unmittelbar an seine Ufer; der Mischwald aus Buchen, Eichen Kiefern, Fichten und Eschen leuchtet vom hellen Grün bis zum tiefen Blaugrün. Ab und zu leuchtet der rote Sandstein des Odenwaldes zwischen den Bäumen durch, was den atemberaubenden Eindruck dieser wahrlich romantischen Landschaft noch verstärkt.

Zweite Etappe

Frühstück in „Mutschlers Mühle“ von 7:30 bis 8:45. Danach ab zum Bootssteg vom Ruder-Club „Neptun“ Neckarelz. Beim Frühstück hatten wir uns darauf geeinigt, wenn möglich, die Reststrecke von Neckarelz bis Neckargerach auf die geplante Etappe bis Hirschhorn draufzupacken. In Eberbach wollten wir Rast beim dortigen Ruderverein machen und dann entscheiden, ob wir noch bis Hirschhorn weiterrudern.
Werner und Klaus fuhren diesmal Bus und Privat-PKW. Sie wollten uns in Eberbach einen Empfang mit Fleischwurst,“Gummern“ und Weck bereiten. Ab Flusskilometer 82 ging es nun an Obrigheim vorbei an der Kühlwasserentnahme für das dortige AKW. Kurz danach, wieder Natur pur, vorbei an einer großen Nistkolonie für Fischreiher zur Staustufe Guttenbach. Nach Anruf ohne Wartezeit Einfahrt in die Schleusenkammer und Schleusung talwärts. An Guttenbach und Neckargerach mit der Ruine Minneburg vorbei und dann am imposanten Schloss Zwingenberg ein kurzer Halt auf dem Wasser zum fotografieren dieser beeindruckenden Burganlage. Hinter der Burganlage endet die berühmte Wolfsschlucht, die von den Höhen des Odenwaldes bis in das Neckartal reicht. Es heißt, dass der Komponist der romantischen Oper „Der Freischütz“, Carl Maria von Weber, nach dem Besuch der Schlucht die berühmte Wolfsschluchtszene in seine Oper eingebaut hat.

An Lindach vorbei ging es zur Staustufe Rockenau; ein kurzer Anruf und wir wurden ohne Wartezeit talwärts Richtung Eberbach geschleust. Nach kurzer Strecke grüßte uns die Burgruine Stolzeneck von der Höhe. Bei Flusskilometer 58 legten wir am Bootssteg der Rudergesellschaft Eberbach an. Boote auf dem Vereinsgelände abgelegt; ein Blick in den Himmel, erste Tropfen und dann ein zweistündiger Starkregen mit Gewitter. Der Neckar „kochte“ regelrecht. Der Imbiss, den Werner und Klaus besorgt hatten, kam uns gerade recht. Beim Gang aufs stille Örtchen im Vereinshaus der Rudergesellschaft Eberbach entdeckte Norbert im Vereinslokal eine Siegerplakette der Flörsheimer Ruderregatta aus den 80er Jahren; die Vergangenheit holt einem immer wieder ein.

 Eberbach ist eine im 13. Jahrhundert gegründete Stauferstadt und wegen ihrer herrlichen Lage im Neckartal und inmitten der Mittelgebirgslandschaft des Odenwaldes ein beliebtes Ziel für Naturliebhaber.

Das Unwetter zog vorüber und es wurde einstimmig beschlossen bis nach Hirschhorn weiter zu rudern. Boote klar gemacht und weiter gings an Pleutersbach vorbei (am rechten Ufer von Flusskilometer 52,8 bis 36,6 und vom linken Ufer von Km 49,8 bis 43,7 ruderten wir wieder auf heimatlichen Gefilden, der Landzipfel gehört zu Hessen). Weiter gings vorbei an der Ersheimer Kapelle, die bekannte katholische Friedhofskirche St. Nazarius und Celsus, eine der ältesten Kirchen des Neckartales und ein Kleinod der regionalen Gotik. An ihrer Stelle befand vermutlich eine erste Kirche bereits im 8. Jahrhundert. Noch ein paar Ruderschläge und wir waren an der Staustufe Hirschhorn angelangt.

Anlegen an der Slipanlage des Campingplatzes in Hirschhorn, Boote raus und ablegen auf dem Platz. Ein kurz vorher angekommener Wohnwagencamper aus Mannheim versprach uns „uff die Boote uff zu passe“. Wir waren beruhigt und fuhren mit Bus und Privat-PKW zurück zur „Mutschlers Mühle“ nach Neckarelz. Wir hatten an diesem Tag 35 Flusskilometer gerudert und nach dem Duschen in Neckarelz einen traumhaften Abend im Biergarten des Gasthofes „Krone“ verbracht. Wieder waren alle von der wunderbaren Landschaft der Neckar-Odenwald-Kreises beeindruckt. Besonders Manuela und Renate waren, außer uns, stolz diese sportlich anstrengende Etappe ohne Blessuren geschafft zu haben.

Dritte Etappe

An nächsten Morgen, nach einem herzhaften Frühstück, auschecken und ein Bisschen Wehmut beim Abschied von „Mutschlers Mühle“. Bei strahlendem Sonnenschein Einsetzen der Boote in Hirschhorn. Erst jetzt konnten wir diese einmalig an den Hängen und am Ufer liegende Perle des Neckartales bewundern. Die Stadt liegt im südlichsten Teil Hessens. Die Burganlage auf einer Bergnase oberhalb des Neckars erbaut, ist ein Nachlass der Herren von Hirschhorn, eines bedeutenden deutschen Rittergeschlechts. In einer Urkunde des Klosters Lorsch 773 erwähnt, beginnt die Zeitrechnung von Hirschhorn.

Die ersten Flusskilometer konnten wir talwärts auf der linken Seite des Neckars im kühlenden Schatten der uferbegleitenden Hügel rudern. In einer Flussschleife umrundeten wir bei Km 39 die Feste Dilsberg, eine mittelalterliche Dorfburg in 333 m Höhe, die selbst der kaiserliche Feldherr Tilly im 30-jährigen Krieg nicht erobern konnte. In Zeiten, als die Pest in Heidelberg wütete, waren Teile der weltberühmten Universität Heidelberg, auf den Dilsberg ausgelagert.

Schon waren wir bis zur Staustufe Neckarsteinach gerudert; ein Anruf und wir wurden, gemeinsam mit einem seltsam anmutenden Partykahn, talwärts geschleust. Aus der Schleuse raus, eröffnete sich uns der imposante Anblick der vier Burgen, die in einer langgezogenen Linkskurve des Neckars an den von rotem Sandstein durchbrochenen Hängen des Odenwaldes förmlich „kleben“. Nicht umsonst ist Neckarsteinach auch als „Vierburgenstadt“ bekannt.
Talabwärts ist die Vorderburg die älteste der vier Burgen. Sie existierte, verbunden mit der Stadtmauer vermutlich schon im Jahr 1142. Die Mittelburg wurde wohl gegen 1200 westlich der Vorderburg erbaut. Die Hinterburg wurde als dritte Burg wahrscheinlich durch Gerhard v. Schauenburg erbaut. Burg Schadeck, die jüngste Burg entstand etwa um 1335 und wurde direkt auf einen Felssporn aufgesetzt.
Urkundlich erwähnt ist 1174 ein Bligger von Steinach, ein deutscher Minnesänger. Er war ein rheinfränkischer Edelherr mit Sitz zu Neckarsteinach. Überliefert sind zwei Minnelieder von ihm im Codex Manesse, auch bekannt als Heidelberger Liederhandschrift. Das Neckartal strotzt nur so von Geschichte, wir fühlten uns von ihr geradezu angehaucht.

8 Km weiter waren wir schon an der Staustufe Neckargemünd angelangt. Hier mussten wir nach telefonischer Anmeldung, wieder mit dem seltsamen Partykahn, eine geraume Zeit warten, bis wir talwärts geschleust wurden. Grund dafür sind, laut Schleusenwärter, die festgelegten Fahrpläne der Ausflugsschiffe, die die Schleusenzeiten bestimmen. Bereits hier lässt sich schon die Anziehungskraft der Universitätsstadt Heidelberg auf Touristen aus aller Welt erahnen.

Vorbei an Ziegelhausen mit der Abtei Kloster Neuburg und Schlierbach, einem Stadtteil Heidelbergs, sind wir bereits an der Staustufe Heidelberg. Sie ist die letzte Staustufe im Neckartal, einige folgen noch in der Rheinebene, bis der Neckar bei Mannheim in den Rhein mündet. Nach kurzer Wartezeit wurden wir, wieder mit dem seltsamen Partykahn und zusätzlich mit dem Fahrgastschiff „Königin Silvia“, talwärts geschleust. Nach verlassen der Schleuse eröffnet sich ein unvergessliches Panorama der Stadt Heidelberg. Nach passieren der alten Brücke mit den berühmten Brückentürmen, am linken Flussufer auf halber Höhe das Schloss. Auf der rechten Seite der älteste Stadtteil, Neuenheim, mit zahlreichen Villen an den Hängen des Heiligenberges.

Kurz vor der Friedrichsbrücke entdeckten wir dann auch den Anlegesteg des Heidelberger Ruderklubs, kurz HRK. Das „Neckarvorland“, eine große Liegewiese, war voll von sonnenhungrigen jungen Leuten aus aller Herren Länder, sicherlich ein großer Teil der ca. 40.000 Studenten der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Sie ist die älteste Universität Deutschlands und wurde 1386 gegründet.  Mittendrin legten wir an, unsere Wanderfahrt war zu Ende. Nach dem Verladen der Boote traten wir unsere Heimreise an, mit dem Gefühl etwas Gutes für Körper, Geist und Sinne getan zu haben.  

Bilder zur Fahrt findet Ihr in der Galerie: hier
         

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